News  ·  24. September 2026  ·  Finanzen

Wie viel Unterhalt zahlt ihr eigentlich? – Die Zahlen, die niemand kennt

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Kurz zusammengefasst

In der Diskussion über Unterhalt werden häufig gesetzliche und tabellarische Werte genannt. Viel weniger sichtbar ist dagegen die persönliche Rechnung der Betroffenen: Was wird tatsächlich jeden Monat an Unterhalt gezahlt und was bleibt nach Unterhalt, Miete, Strom, Lebensmitteln, Mobilität und den übrigen laufenden Kosten noch übrig?

FairBessern möchte solche persönlichen Erfahrungen sichtbar machen. Die hier genannten Beispiele beruhen auf Angaben, die Menschen selbst über ihre finanzielle Situation geteilt haben. Sie sind keine statistische Erhebung und ersetzen keine rechtliche oder wirtschaftliche Prüfung. Gerade deshalb können sie einen Einblick in eine Seite der Unterhaltsdebatte geben, die in offiziellen Tabellen kaum sichtbar wird.

Wie viel Unterhalt zahlt ihr?

Die Frage klingt zunächst fast zu einfach.

Wie viel Unterhalt zahlt ihr eigentlich?

Nicht: Welcher Betrag steht in der Düsseldorfer Tabelle? Nicht: Welchen Betrag hat das Jugendamt berechnet? Und auch nicht: Welcher Unterhalt wäre nach den gesetzlichen Regeln theoretisch geschuldet?

Sondern ganz konkret: Wie viel Geld verlässt tatsächlich jeden Monat euer Konto?

Und dann kommt die zweite Frage. Eigentlich ist sie sogar noch wichtiger:

Was bleibt danach noch übrig?

Denn genau diese Zahl fehlt in vielen Diskussionen. Es wird über Einkommen gesprochen. Über Unterhaltsbeträge. Über Selbstbehalte. Über Tabellenwerte. Aber zwischen dem Betrag, der auf dem Papier berechnet wird, und dem Leben eines Menschen liegt ein kompletter Monat.

Die Zahlen, die jeder kennt

Das Unterhaltsrecht arbeitet mit zahlreichen festen oder vorgegebenen Orientierungswerten. Die Düsseldorfer Tabelle ordnet Einkommen und Kindesalter bestimmten Bedarfssätzen zu. Für 2026 beträgt der notwendige Selbstbehalt gegenüber minderjährigen Kindern bei einem erwerbstätigen Unterhaltspflichtigen 1.450 Euro. Die Düsseldorfer Tabelle ist dabei kein Gesetz, sondern ein anerkanntes Hilfsmittel für die Bemessung des Unterhalts.

Daneben existieren weitere Zahlen, die in der öffentlichen Diskussion häufig miteinander vermischt werden. Dazu gehört beispielsweise der Pfändungsschutz. Auf einem P-Konto sind aktuell grundsätzlich 1.590 Euro monatlich als Grundfreibetrag geschützt. Unter bestimmten Voraussetzungen kann dieser Betrag erhöht werden.

Nicht jede Grenze bedeutet dasselbe

Der Selbstbehalt im Unterhaltsrecht und der Pfändungsfreibetrag im Vollstreckungsrecht verfolgen unterschiedliche Zwecke. Deshalb lassen sich die Beträge nicht einfach gegeneinander aufrechnen. Genau diese Unterschiede gehen in öffentlichen Diskussionen jedoch häufig unter.

Doch selbst wenn man all diese Zahlen kennt, kennt man noch immer nicht die wichtigste Zahl für den Alltag eines Betroffenen:

Was bleibt am Ende des Monats tatsächlich auf dem Konto?

Diese Zahl steht in keiner Tabelle

Angenommen, jemand verdient 1.800 Euro netto und muss einen bestimmten Betrag an Kindesunterhalt zahlen.

Die Berechnung kann auf dem Papier korrekt sein. Trotzdem erzählt sie noch nicht die ganze Geschichte.

Denn anschließend kommen Miete, Strom, Lebensmittel, Versicherungen, Telefon, Fahrtkosten, Kleidung, Reparaturen und viele andere Ausgaben hinzu. Wer auf das Auto angewiesen ist, weil der Arbeitsplatz oder die Arbeitszeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht erreichbar sind, muss auch diese Kosten tragen.

Und wer selbst ein Kind betreut, hat möglicherweise zusätzlich Ausgaben, die mit der tatsächlichen Betreuung verbunden sind.

Das sind keine abstrakten Zahlen.

Das ist der Monat.

Menschen erzählen von ihren Zahlen

Unter Beiträgen, Videos und rund um die Petition haben Menschen immer wieder ihre persönliche Situation beschrieben. Nicht in Form einer wissenschaftlichen Studie, sondern in Form von Erfahrungen aus ihrem eigenen Leben.

Ein Beispiel, das geteilt wurde, kommt aus Limbach-Oberfrohna. Dort berichtete ein Betroffener von rund 1.500 Euro Nettoeinkommen und Unterhaltszahlungen für zwei Kinder von zwei verschiedenen Müttern. Nach seinen eigenen Angaben sei er dadurch rechnerisch rund 80 Euro unter dem Betrag gelandet, der ihm für seinen eigenen Lebensunterhalt zur Verfügung bleiben sollte.

Aus Löbau wurde von einer Situation berichtet, in der am Monatsende teilweise nur noch 35 Euro vorhanden gewesen seien. Nach Aussage des Betroffenen waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal alle Ausgaben beglichen.

Aus Wietzendorf wurde wiederum eine Situation geschildert, bei der 1.350 Euro Unterhalt gezahlt worden seien. Gleichzeitig habe die betroffene Person eine Wohnung mit Kinderzimmer und 1.100 Euro Kaltmiete angegeben. Als verbleibender Betrag wurden 250 Euro genannt.

Diese Beispiele sind persönliche Angaben der jeweiligen Betroffenen. Sie sind keine repräsentative Statistik und können ohne Kenntnis aller Einkommens-, Unterhalts- und Wohnkosten nicht rechtlich bewertet werden.

Aber genau darin liegt ihr Wert für die öffentliche Diskussion: Sie zeigen, welche Fragen Menschen selbst erleben.

„Ich dachte, ich bin damit allein“

Etwas fällt bei solchen Rückmeldungen immer wieder auf.

Menschen lesen die Geschichte eines anderen und erkennen sich darin wieder.

Dann kommt ein Kommentar wie: „Bei mir ist es genauso.“

Oder: „Ich dachte, ich bin der Einzige.“

Oder schlicht: „Bei mir bleibt auch nichts übrig.“

Genau an diesem Punkt wird aus einer einzelnen persönlichen Zahl eine gesellschaftlich interessante Beobachtung.

Nicht, weil aus zehn Kommentaren automatisch eine Statistik wird. Das wäre methodisch falsch.

Sondern weil solche Erfahrungen zeigen können, welche Fragen in offiziellen Berechnungen aus Sicht der Betroffenen nicht ausreichend sichtbar werden.

Unterhalt ist mehr als ein Tabellenbetrag

Die Düsseldorfer Tabelle erfüllt einen wichtigen Zweck. Sie schafft Orientierung und soll eine möglichst einheitliche Berechnung des Kindesunterhalts ermöglichen. Ohne solche Leitlinien wäre die Ermittlung von Unterhaltsbeträgen noch komplizierter.

Aber eine Tabelle kann nicht abbilden, wie sich ein bestimmter Betrag im Alltag eines einzelnen Menschen auswirkt.

Sie weiß nicht, ob jemand 25 Kilometer zur Arbeit fahren muss.

Sie weiß nicht, ob ein Auto dringend benötigt wird.

Sie weiß nicht, ob eine Wohnung wegen der Betreuung des eigenen Kindes größer sein muss.

Sie weiß nicht, ob am Monatsende eine Waschmaschine kaputtgeht.

Und sie weiß auch nicht, ob ein Elternteil seinem Kind gerade erklären muss, warum dieses Jahr kein gemeinsamer Urlaub möglich ist.

Das bedeutet nicht, dass jede dieser Ausgaben automatisch unterhaltsrechtlich berücksichtigt werden muss. Genau diese Unterscheidung ist wichtig.

Es bedeutet aber, dass die tatsächliche finanzielle Lebenssituation eines Menschen umfassender ist als eine einzelne Zahl in einer Berechnung.

Die entscheidende Zahl steht ganz am Ende

Nettoeinkommen minus Unterhalt ergibt noch lange nicht das verfügbare Geld zum Leben. Erst danach kommen die tatsächlichen laufenden Kosten. Genau deshalb ist die Frage „Was bleibt danach?“ eine andere Frage als „Wie viel Unterhalt wird gezahlt?“.

Was bleibt nach dem Unterhalt?

Vielleicht sollte genau diese Frage viel häufiger gestellt werden.

Nicht nur gegenüber Vätern. Nicht nur gegenüber Müttern. Sondern gegenüber allen Eltern, die nach einer Trennung finanzielle Verantwortung tragen.

Denn auch der betreuende Elternteil hat eine finanzielle Realität. Wohnkosten, Lebensmittel, Kleidung, Betreuung, Schule, Freizeit und viele weitere Kosten verschwinden nicht dadurch, dass das Kind überwiegend bei diesem Elternteil lebt.

Gleichzeitig kann auch der andere Elternteil erhebliche Kosten tragen, die in einer reinen Betrachtung des monatlichen Überweisungsbetrags nicht sichtbar werden.

Gerade deshalb ist eine ernsthafte Diskussion über Unterhaltsrecht auf vollständige Lebenssituationen angewiesen und nicht nur auf einzelne Zahlen.

Aus Zahlen können Geschichten werden

Hinter jeder Zahl steckt ein Mensch.

1.500 Euro netto.

1.350 Euro Unterhalt.

35 Euro am Monatsende.

80 Euro unter dem eigenen Bedarf.

Solche Zahlen können sehr eindrucksvoll sein. Aber sie dürfen nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden.

Wer eine finanzielle Situation wirklich beurteilen will, muss wissen, welche Einnahmen vorhanden sind, welche Unterhaltsverpflichtungen bestehen, welche Wohnkosten anfallen, welche weiteren Verpflichtungen bestehen und welche Besonderheiten berücksichtigt werden müssen.

Eine Zahl allein beweist deshalb noch nicht, dass das Unterhaltsrecht im konkreten Fall falsch angewendet wurde.

Sie kann aber eine Frage sichtbar machen.

Und manchmal beginnt genau dort eine notwendige Diskussion.

Welche Zahl fehlt bei dir?

Deshalb möchte FairBessern Menschen dazu einladen, ihre eigenen Erfahrungen zu teilen.

Wie hoch ist euer Nettoeinkommen?

Wie viel Unterhalt zahlt ihr tatsächlich?

Und wie viel bleibt danach noch übrig?

Wer möchte, kann zusätzlich angeben, ob beispielsweise hohe Wohnkosten, mehrere Unterhaltsverpflichtungen, Fahrtkosten oder eine umfangreiche Betreuung des Kindes eine Rolle spielen.

Der Name muss dabei nicht genannt werden. Auch eine kurze Angabe wie „Mir bleiben am Monatsende 40 Euro“ kann zeigen, wie unterschiedlich die Lebenssituationen hinter den offiziellen Zahlen sein können.

Wichtig bei persönlichen Geschichten

Wer seine Situation öffentlich teilt, sollte trotzdem selbst entscheiden können, was später mit diesen Angaben geschieht. Für eine spätere Veröffentlichung als Video, Artikel oder Fallbeispiel sollte deshalb ausdrücklich eine entsprechende Zustimmung eingeholt werden. Besonders bei persönlichen Finanzdaten sollte auf eine anonymisierte Darstellung geachtet werden.

Aus vielen einzelnen Zahlen kann ein Bild entstehen

Eine solche Sammlung wäre keine wissenschaftliche Studie. Sie wäre auch keine repräsentative Statistik über alle Unterhaltspflichtigen in Deutschland.

Aber sie könnte dokumentieren, welche finanziellen Situationen Menschen selbst schildern.

Und genau das ist bisher nur schwer sichtbar.

Die offizielle Unterhaltsberechnung beginnt mit Einkommen, Bedarf, Rangfolge, Selbstbehalt und weiteren rechtlichen Kriterien. Das tatsächliche Leben beginnt dagegen jeden Monat wieder bei null.

Miete muss bezahlt werden.

Strom muss bezahlt werden.

Lebensmittel müssen gekauft werden.

Das Auto muss möglicherweise zur Arbeit fahren.

Und am Ende muss noch genug Geld vorhanden sein, um den nächsten Monat überhaupt zu erreichen.

Zwischen diesen beiden Perspektiven liegt die Frage, die dieser Beitrag stellen möchte:

Was bleibt?

30.000 Menschen sind nicht nur eine Zahl

FairBessern nennt als Ziel 30.000 Unterstützungen für die Petition. Diese Zahl ist nicht zufällig gewählt. Seit Juli 2024 liegt das Quorum für eine öffentliche Beratung einer veröffentlichten Petition beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages bei 30.000 Mitzeichnungen innerhalb der vorgesehenen Mitzeichnungsfrist. Dieses Quorum führt zu einer öffentlichen Beratung der Petition, ist aber nicht gleichbedeutend mit einer automatischen politischen Umsetzung der geforderten Änderungen.

Damit bekommt auch die Zahl 30.000 eine konkrete Bedeutung.

30.000 Mitzeichnungen wären 30.000 Menschen, die sich mit dem Anliegen der Petition auseinandergesetzt und sie unterstützt haben.

Ob und welche politischen Konsequenzen daraus entstehen, entscheidet nicht die Zahl allein. Das Petitionsverfahren ist ein parlamentarisches Verfahren, in dem das Anliegen anschließend beraten und bewertet wird.

Also: Wie viel zahlt ihr?

Vielleicht ist diese Frage tatsächlich ungewöhnlich einfach.

Wie viel Unterhalt überweist du jeden Monat?

Und was bleibt danach?

Nicht der Tabellenwert.

Nicht die Zahl aus einem Bescheid.

Sondern deine persönliche Rechnung.

Denn hinter jeder Unterhaltszahlung steht ein Mensch. Und hinter dem Betrag, der am Monatsende noch auf dem Konto steht, steht ebenfalls ein Mensch.

Wer seine persönliche Erfahrung teilen möchte, kann dies über die entsprechenden Beiträge und Kanäle von FairBessern tun. Die Petition und weitere Informationen sind unter fairbessern.org zu finden.

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