Warum die mangelnde Anerkennung von Umgangskosten die Eltern-Kind-Beziehung systematisch gefährdet
„Weil ich Unterhalt zahle und jedes Wochenende über 300 km für mein Kind fahre.“— Jann-Carsten aus Wilhelmshaven
Ein Satz. Sieben Worte. Und dahinter verbirgt sich eine logistische und finanzielle Zerreißprobe, die tausende getrennte Elternteile in Deutschland jeden Monat aufs Neue durchleben. 300 Kilometer Distanz zwischen dem eigenen Wohnort und dem Kind bedeuten in der Realität: Hin und zurück sind es 600 Kilometer auf der Autobahn. Das sind sechs bis sieben Stunden reine Fahrzeit – pro Wochenende.
Die unsichtbare Zusatzbelastung:
Spritpreise, Verschleiß, Reifenabnutzung und Inspektionen summieren sich pro Fahrt leicht auf 80 bis 120 Euro. Zweimal im Monat macht das spürbare Zusatzkosten, die das System einfach weglächelt.
Die rechtliche Grauzone: Warum der Staat wegsieht
Was wird von diesen massiven Mobilitätskosten beim Unterhalt angerechnet? In der gängigen Praxis lautet die bittere Antwort fast immer: nichts.
Die Kosten für die Ausübung des Umgangsrechts gehören zu den am stärksten vernachlässigten Posten im deutschen Familienrecht. Zwar gibt es theoretisch die Möglichkeit, dass überdurchschnittlich hohe Umgangskosten den Selbstbehalt im Rahmen einer Einzelfallprüfung geringfügig erhöhen können. Doch der Weg dorthin ist steinig:
- Hohe Hürden: Es erfordert einen enormen bürokratischen Aufwand, detaillierte Fahrtenbücher und lückenlose Belege.
- Willkür statt System: Am Ende bleibt es eine reine Ermessensentscheidung der Gerichte, die in den unteren und mittleren Einkommensgruppen erschreckend oft mit Verweis auf den „pauschalen Selbstbehalt“ abgewiesen wird.
Das Resultat ist eine massive Ungerechtigkeit: Ein Elternteil bedient den vollen Barunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle und muss die immensen Kosten, die überhaupt erst den physischen Kontakt zum Kind ermöglichen, komplett aus eigener Tasche obendrauf finanzieren. Das ist eine faktische Doppelbestrafung für das Einfordern des Umgangsrechts.
Wenn Mobilitätskosten zum Kontaktabbruch zwingen
Dieses Problem ist keine rein finanzielle Debatte – es ist eine akute Gefahr für das Kindeswohl. Wenn die Inflation die Sprit- und Ticketpreise weiter antreibt, während der Selbstbehalt starr bleibt, kollabiert das System irgendwann an der Zapfsäule.
Wenn die Fahrtkosten die finanzielle Belastungsgrenze überschreiten, passiert genau das, was jede Familienpolitik verhindern müsste: Der Umgang wird seltener. Nicht etwa, weil die Sehnsucht nachlässt oder der Vater nicht will. Sondern weil das Geld am Monatsende schlicht nicht mehr für den Tank reicht.
Aus 300 Kilometern werden seltener werdende Besuche, und im schlimmsten Fall droht die schleichende Entfremdung. Das Kind verliert den regelmäßigen Bezug zu einem Elternteil – nicht durch mangelnde Liebe, sondern durch ein System, welches die Realität moderner Mobilität und großer Distanzen komplett ignoriert.
Unsere Forderung bei FairBessern
Der Gesetzgeber muss endlich anerkennen, dass getrennte Elternschaft Mobilität erfordert. Wir fordern in unserem offiziellen Petitionsentwurf an den Deutschen Bundestag:
- Systematische Pauschalen: Umgangskosten und fahrstreckenbedingte Aufwendungen müssen ab einer bestimmten Distanz pauschal und ohne bürokratische Hürden direkt vom anrechenbaren Einkommen abgezogen werden.
- Gleichwertige Betrachtung: Während der betreuende Elternteil an Umgangswochenenden nachweislich Fixkosten einspart, trägt der barunterhaltspflichtige Elternteil die gesamte Last des Transports. Diese Schieflage muss im Unterhaltsrecht fair gegengerechnet werden.
Die Aufrechterhaltung des Eltern-Kind-Kontakts darf in einem Sozialstaat niemals eine Frage des Geldbeutels sein. Verantwortung zu zeigen darf nicht in den finanziellen Ruin führen.
Unterstütze uns dabei, dieses veraltete Rechtssystem ins 21. Jahrhundert zu holen. Jede Unterschrift zählt, um den Druck auf den Petitionsausschuss unübersehbar zu machen!
Ein Kind braucht beide Elternteile – unabhängig davon, wie viele Kilometer dazwischen liegen. Hilf uns, die systematische Benachteiligung reisender Eltern zu beenden. Zeichne jetzt die Petition.