Warum FairBessern eine Reform des Unterhaltsrechts fordert
Hinter FairBessern steht keine pauschale Kritik am Unterhaltssystem — sondern ein konkreter Reformvorschlag. Die Petition formuliert sechs zentrale Forderungen, die aus den Erfahrungen zahlreicher Betroffener entstanden sind und das Ziel haben, Kindeswohl, Existenzschutz und Fairness besser miteinander zu verbinden.
Warum diese sechs Forderungen entstanden sind
In den vergangenen Wochen haben uns zahlreiche Nachrichten erreicht.
Von Vätern.
Von Müttern.
Von Großeltern.
Von Menschen, die mitten im Unterhaltssystem leben.
Viele dieser Berichte unterscheiden sich im Detail — doch sie zeigen oft dieselben strukturellen Probleme:
- steigende Lebenshaltungskosten
- fehlende Anerkennung realer Betreuung
- hohe Fahrtkosten
- wirtschaftliche Überlastung
- fehlende Flexibilität
- starre Berechnungsmodelle
Genau daraus entstanden die sechs Forderungen der Petition.
Nicht als Ideologie.
Sondern als Versuch, gesellschaftliche Realität besser abzubilden.
Forderung 1 — Selbstbehalt realitätsnah anheben
Der aktuelle Selbstbehalt vieler Unterhaltspflichtiger liegt aus Sicht zahlreicher Betroffener deutlich unter den tatsächlichen Lebenshaltungskosten.
Gerade in Zeiten steigender:
- Mieten
- Energiepreise
- Lebensmittelkosten
- Versicherungen
bleibt vielen Menschen nach Unterhalt kaum noch finanzieller Spielraum.
Die Petition fordert deshalb:
Der Selbstbehalt muss realistisch kalkuliert werden — unabhängig davon, ob jemand erwerbstätig, krank oder vorübergehend arbeitslos ist.
Denn Existenzschutz darf nicht von einzelnen Lebenssituationen abhängen.
Forderung 2 — Die Pfändungsfreigrenze als Maßstab
Ein Punkt sorgt bei vielen Menschen für besonderes Unverständnis:
Die gesetzliche Pfändungsfreigrenze liegt aktuell über dem Selbstbehalt im Unterhaltsrecht.
Das bedeutet praktisch:
Menschen ohne Unterhaltspflicht werden finanziell teilweise stärker geschützt als Menschen mit gesetzlicher Verantwortung für ein Kind.
Die Petition fordert deshalb:
Die Pfändungsfreigrenze nach § 850c ZPO soll als Mindestorientierung für den Selbstbehalt dienen.
Denn Verantwortung darf nicht zu geringerem Existenzschutz führen.
Forderung 3 — Reale Lebenshaltungskosten berücksichtigen
Viele Berechnungen im Unterhaltsrecht basieren auf Pauschalen.
Doch die Realität unterscheidet sich regional massiv.
Eine Wohnung, die den angesetzten Mietwerten entspricht, ist in vielen Regionen kaum noch verfügbar.
Hinzu kommen:
- hohe Nebenkosten
- Mobilitätskosten
- Versicherungen
- Inflation
- regionale Mietunterschiede
Viele Betroffene berichten deshalb:
Die aktuellen Werte hätten mit ihrer tatsächlichen Lebensrealität nur noch wenig zu tun.
Die Petition fordert daher:
Das Unterhaltsrecht muss reale Lebenshaltungskosten stärker berücksichtigen.
Forderung 4 — Umgangskosten systematisch anerkennen
Viele Eltern investieren erhebliche Summen, um regelmäßigen Kontakt zu ihren Kindern aufrechtzuerhalten.
Dazu gehören:
- Fahrtkosten
- zusätzliche Verpflegung
- Freizeitaktivitäten
- Wohnraum für das Kind
- Übernachtungsmöglichkeiten
Gerade bei größeren Entfernungen entstehen oft enorme finanzielle Belastungen.
Viele Betroffene empfinden:
Diese Kosten würden bisher nicht ausreichend berücksichtigt.
Die Petition fordert deshalb:
Umgangskosten sollen pauschal und systematisch anrechnungsfähig werden.
Denn Bindung zum Kind darf kein finanzieller Luxus sein.
Forderung 5 — Geldwerte Vorteile gleichwertig prüfen
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Frage wirtschaftlicher Vorteile.
Der sogenannte geldwerte Vorteil wird im Unterhaltsrecht häufig dann berücksichtigt, wenn Unterhaltspflichtige durch neue Partnerschaften oder gemeinsame Haushalte Kosten sparen.
Viele Betroffene kritisieren jedoch:
Dass vergleichbare wirtschaftliche Vorteile auf der anderen Seite oft deutlich seltener betrachtet werden.
Die Petition fordert deshalb:
Beide Elternteile sollen gleichwertig betrachtet werden.
Wirtschaftliche Vorteile und tatsächliche Belastungen müssen dort berücksichtigt werden, wo sie tatsächlich entstehen.
Forderung 6 — Existenz sichern und Kindeswohl fördern
Der wichtigste Punkt verbindet alle anderen Forderungen:
Das Unterhaltsrecht darf nicht nur finanzielle Ansprüche verwalten.
Es muss langfristig stabile Eltern-Kind-Beziehungen ermöglichen.
Denn Kinder profitieren:
- von Sicherheit
- von Verlässlichkeit
- von emotionaler Bindung
- von kooperierenden Eltern
- von stabilen Lebensverhältnissen
Viele Unterstützer der Petition empfinden:
Ein System, das einen Elternteil dauerhaft wirtschaftlich destabilisiert, gefährdet langfristig auch das Kindeswohl.
Warum FairBessern keine Fronten schaffen will
Die Petition richtet sich nicht gegen Kinder.
Nicht gegen Mütter.
Nicht gegen Unterhalt.
Sie fordert vielmehr:
ein modernes, realistisches und ausgewogenes Unterhaltsrecht.
Ein System, das:
- Verantwortung anerkennt
- Betreuung berücksichtigt
- Existenz schützt
- Kooperation erleichtert
- gesellschaftliche Realität abbildet
Denn Familienrealitäten haben sich verändert.
Viele Eltern wollen heute Verantwortung teilen.
Zeit investieren.
Präsent sein.
Gemeinsam Lösungen finden.
Das bestehende System bildet diese Realität aus Sicht vieler Betroffener jedoch nur unzureichend ab.
Am Ende geht es um Fairness
Die sechs Forderungen sind deshalb kein radikaler Umbruch.
Sie sind ein Versuch, ein jahrzehntealtes System an die Realität moderner Familien anzupassen.
Denn ein gerechtes Unterhaltsrecht schützt nicht nur Ansprüche.
Es schützt auch Beziehungen.
Würde.
Existenz.
Und letztlich das Kindeswohl selbst.