News  ·  23. Juni 2026  ·  Unterhalt

Arbeit lohnt sich nicht — wenn das Unterhaltsrecht Leistung bestraft

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Warum immer mehr Unterhaltspflichtige das Gefühl haben, trotz Vollzeitjob auf der Stelle zu treten

Es gibt Sätze, die einen nicht mehr loslassen. Nicht weil sie besonders laut formuliert sind. Sondern weil sie eine Realität beschreiben, die viele Menschen längst still für sich akzeptiert haben.

Innerhalb weniger Tage erreichten uns unter unserer Petition zwei Kommentare aus unterschiedlichen Teilen Deutschlands. Geschrieben von Menschen, die sich nicht kennen. Die in unterschiedlichen Städten leben. Die unterschiedliche Berufe haben.

Und dennoch beschreiben beide exakt dieselbe Erfahrung.

Stimmen aus der Community:

„Ich gehe arbeiten und kann mir nichts leisten — leben wie Hartz 4 und 40 Stunden Woche — wofür?“

„Man wird in eine Depression gedrängt durch diese Einbahnstraßenpolitik. Ich arbeite 50 Stunden die Woche, habe ein akzeptables Einkommen und trotzdem habe ich nichts. Diese Unterhaltsgesetze spiegeln in keinster Weise die realen Kosten mehr wider. Arbeiten wird damit zu 100 % unattraktiv gemacht.“

Zwei Menschen. Zwei Städte. Zwei unterschiedliche Lebenswege.

Und doch dieselbe Frage:

Wofür eigentlich noch mehr arbeiten?

Wenn Leistung nicht mehr zu einem besseren Leben führt

Grundsätzlich folgt das deutsche Unterhaltsrecht einem nachvollziehbaren Gedanken. Wer mehr verdient, soll auch mehr zum Unterhalt seines Kindes beitragen können.

Dagegen haben die wenigsten Betroffenen etwas einzuwenden.

Problematisch wird es dort, wo sich der Zusammenhang zwischen Leistung und Lebensqualität zunehmend auflöst.

Viele Unterhaltspflichtige erleben genau das. Sie übernehmen zusätzliche Schichten. Sie leisten Überstunden. Sie nehmen mehr Verantwortung im Beruf an oder arbeiten sich über Jahre hinweg in besser bezahlte Positionen vor.

Doch die erhoffte Verbesserung ihrer persönlichen Situation bleibt häufig aus.

Der Grund liegt darin, dass steigende Einkommen regelmäßig zu höheren Unterhaltszahlungen führen. Wer in eine höhere Einkommensgruppe der Düsseldorfer Tabelle rutscht, zahlt spürbar mehr Unterhalt. Gleichzeitig steigen Mieten, Energiepreise, Versicherungen und Lebenshaltungskosten.

Vom zusätzlichen Einkommen bleibt dadurch oft deutlich weniger übrig, als viele erwarten.

Für die Betroffenen entsteht der Eindruck, dass sich der persönliche Einsatz kaum noch auszahlt.

Die gefährliche Frage: Wofür?

Diese Entwicklung hat nicht nur finanzielle Folgen.

Sie verändert die Sicht auf Arbeit selbst.

Arbeit bedeutet für die meisten Menschen weit mehr als Geld verdienen. Sie bedeutet Selbstständigkeit. Verantwortung. Die Möglichkeit, sich und seiner Familie etwas aufzubauen.

Doch wenn trotz 40 oder 50 Arbeitsstunden pro Woche das Gefühl entsteht, dauerhaft am Existenzminimum zu leben, beginnt etwas zu bröckeln.

Dann taucht irgendwann die Frage auf, die in beiden Kommentaren mitschwingt:

Wofür?

Wofür die Überstunden?

Wofür die zusätzlichen Belastungen?

Wofür die Wochenenden, an denen man arbeitet, während andere Zeit mit ihren Familien verbringen?

Wenn diese Frage dauerhaft unbeantwortet bleibt, entsteht Frustration. Und aus Frustration wird nicht selten Resignation.

Wenn finanzielle Erschöpfung zur psychischen Belastung wird

Besonders deutlich wird das im Kommentar aus Bonn.

Dort fällt ein Wort, das viele Betroffene nur ungern öffentlich aussprechen:

Depression.

Natürlich entsteht eine Depression niemals durch einen einzelnen Faktor. Doch finanzielle Dauerbelastung gehört zu den häufigsten Ursachen für psychischen Druck.

Wer über Jahre hinweg das Gefühl hat, trotz aller Anstrengungen nicht voranzukommen, verliert irgendwann Motivation, Zuversicht und Perspektive.

Dabei betrifft diese Entwicklung nicht nur die Betroffenen selbst.

Kinder profitieren von Eltern, die Kraft haben. Von Eltern, die optimistisch in die Zukunft schauen. Von Eltern, die Zeit, Energie und Lebensfreude mitbringen.

Wer hingegen dauerhaft unter wirtschaftlichem Druck steht, zieht sich häufig zurück. Nicht aus mangelnder Liebe. Nicht aus fehlendem Interesse.

Sondern weil die eigene Belastungsgrenze irgendwann erreicht ist.

Ein System darf Arbeit nicht entwerten

Ein funktionierender Sozialstaat lebt davon, dass Leistung anerkannt wird.

Menschen müssen das Gefühl haben, dass sich Einsatz lohnt. Dass zusätzliche Arbeit auch zu zusätzlicher Lebensqualität führt.

Genau dieses Gefühl geht jedoch bei vielen Unterhaltspflichtigen zunehmend verloren.

Dabei geht es nicht darum, weniger Verantwortung für Kinder zu übernehmen. Es geht auch nicht darum, Unterhaltszahlungen grundsätzlich infrage zu stellen.

Es geht um die Frage, ob jemand, der mehr arbeitet, am Ende tatsächlich etwas von seiner zusätzlichen Leistung behalten darf.

Ein gerechtes System muss diese Frage mit Ja beantworten können.

Was FairBessern fordert

Wir fordern ein Unterhaltsrecht, das Verantwortung und Leistungsbereitschaft nicht gegeneinander ausspielt.

Wer mehr arbeitet, muss spürbar von seiner Mehrleistung profitieren können. Der Selbstbehalt muss sich an den realen Lebenshaltungskosten orientieren und darf nicht dauerhaft hinter der wirtschaftlichen Entwicklung zurückbleiben.

Denn ein Unterhaltsrecht, das Arbeit zunehmend unattraktiv macht, schadet nicht nur den Betroffenen.

Es schadet Familien.

Es schadet Kindern.

Und es schadet letztlich einer Gesellschaft, die darauf angewiesen ist, dass Menschen motiviert bleiben, Verantwortung zu übernehmen.

Leistung muss sich wieder lohnen.

Unterstütze unsere Petition für ein Unterhaltsrecht, das Verantwortung anerkennt, Arbeit attraktiv hält und Eltern nicht dafür bestraft, dass sie sich beruflich engagieren.

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