News  ·  11. Juni 2026  ·  Unterhalt

Keine Altersvorsorge — wenn das Unterhaltsrecht Altersarmut produziert

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Die unsichtbare Spätfolge: Wie der starre Selbstbehalt die wirtschaftliche Zukunft unterhaltspflichtiger Eltern zerstört

Es gibt eine Konsequenz des aktuellen Unterhaltsrechts, die in der öffentlichen Debatte erstaunlich selten thematisiert wird. Vermutlich deshalb, weil ihre Folgen erst viele Jahre später sichtbar werden. Während über Unterhaltszahlungen, Selbstbehalte und die Höhe der Düsseldorfer Tabelle regelmäßig diskutiert wird, bleibt eine Frage meist unbeantwortet: Was passiert eigentlich mit den Menschen, die über Jahrzehnte hinweg Unterhalt zahlen, aber gleichzeitig keine Möglichkeit haben, für ihre eigene Zukunft vorzusorgen?

Die Antwort darauf zeigt sich häufig erst im Rentenalter. Dann, wenn die Kinder längst erwachsen sind, die Unterhaltszahlungen beendet wurden und viele Betroffene feststellen, dass sie zwar ihrer Verantwortung nachgekommen sind, aber selbst kaum noch eine Chance auf finanzielle Sicherheit im Alter haben. Die Rentenlücke entsteht nämlich nicht erst mit dem Eintritt in den Ruhestand. Sie entsteht Monat für Monat über viele Jahre hinweg.

Bernd aus Sandersdorf bringt dieses Problem in unserer Community auf den Punkt:

Ein Betroffener berichtet:
„Väter bluten aus, wenn sie Unterhalt zahlen – haben keine Chance, genug Geld zu verdienen, um später eine vernünftige Rente zu erhalten.“

Diese Aussage mag drastisch wirken. Doch betrachtet man die wirtschaftliche Realität vieler Unterhaltspflichtiger über einen Zeitraum von zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren, wird deutlich, dass sie einen wunden Punkt des deutschen Unterhaltsrechts trifft.

Die 1.450-Euro-Illusion: Ein Existenzminimum ohne Zukunft

Der notwendige Selbstbehalt soll sicherstellen, dass unterhaltspflichtige Elternteile trotz ihrer Zahlungsverpflichtungen selbst nicht unter das Existenzminimum fallen. Auf dem Papier klingt das vernünftig. In der Praxis offenbart sich jedoch eine entscheidende Schwäche: Der Selbstbehalt sichert allenfalls das unmittelbare Überleben, nicht aber die wirtschaftliche Zukunft.

Was in vielen juristischen Diskussionen ausgeblendet wird, ist die Tatsache, dass ein verantwortungsvoll geführtes Leben mehr erfordert als die bloße Deckung der laufenden Kosten. Altersvorsorge, betriebliche Zusatzversorgung, Rücklagen für Notfälle oder ein kleiner finanzieller Puffer gehören zu den Grundlagen einer langfristig stabilen Lebensplanung. Sie setzen jedoch voraus, dass nach dem Bezahlen der monatlichen Verpflichtungen überhaupt Geld übrig bleibt.

Bei den aktuellen Sätzen der Düsseldorfer Tabelle sieht die Realität jedoch häufig anders aus. Nach dem Abzug von Unterhalt, Miete, Energie, Versicherungen, Mobilität und Lebensmitteln bleibt vielen Betroffenen am Monatsende kaum noch finanzieller Spielraum. Das Problem besteht dabei nicht nur für einige Monate oder wenige Jahre. Häufig zieht sich diese Situation durch einen erheblichen Teil des Erwerbslebens. Aus einer vorübergehenden Belastung wird ein dauerhafter Zustand.

Die Folgen sind vorhersehbar. Wer über Jahrzehnte hinweg keine Möglichkeit hat, Vermögen aufzubauen oder für das Alter vorzusorgen, steuert zwangsläufig auf eine erhebliche Versorgungslücke zu. Die verdeckte finanzielle Unsicherheit während der Unterhaltsphase verwandelt sich später nahezu nahtlos in eine reale Altersarmut.

Die stille Armutsfalle beginnt lange vor der Rente

Dabei zeigt sich das Problem nicht erst im Rentenalter. Viele Betroffene leben bereits während ihrer Erwerbsjahre dauerhaft ohne jedes finanzielle Sicherheitsnetz.

Eine größere Autoreparatur, eine unerwartete Nebenkostennachzahlung oder eine notwendige Zahnbehandlung können schnell zur ernsthaften Belastung werden. Während andere Haushalte auf Ersparnisse zurückgreifen können, bleibt vielen Unterhaltspflichtigen oft nur die Hoffnung, dass keine unvorhergesehenen Ausgaben auftreten.

Diese Form der wirtschaftlichen Unsicherheit taucht in keiner Unterhaltsberechnung auf. Nach außen wirken die Betroffenen leistungsfähig. Sie gehen arbeiten, zahlen ihre Steuern und kommen ihren gesetzlichen Verpflichtungen nach. Tatsächlich leben viele jedoch dauerhaft an der Grenze ihrer finanziellen Belastbarkeit. Jede Preissteigerung, jede ungeplante Rechnung und jede persönliche Krise kann das fragile Gleichgewicht ins Wanken bringen.

Genau darin liegt die eigentliche Schieflage des Systems. Wer Verantwortung übernimmt und seine Unterhaltspflichten erfüllt, sollte dadurch nicht dauerhaft daran gehindert werden, auch Verantwortung für die eigene Zukunft zu übernehmen.

Wenn Verantwortung später bestraft wird

Besonders problematisch ist die gesellschaftliche Botschaft, die dadurch entsteht.

Von Eltern wird zu Recht erwartet, Verantwortung für ihre Kinder zu übernehmen. Diese Verantwortung endet nicht mit einer Trennung und sie darf selbstverständlich nicht zur Disposition stehen. Doch ein gerechtes System muss in der Lage sein, beide Interessen miteinander zu verbinden: die Absicherung des Kindes und die langfristige wirtschaftliche Stabilität des unterhaltspflichtigen Elternteils.

Genau hier versagt das aktuelle System zunehmend.

Denn wer über Jahrzehnte hinweg keinerlei Möglichkeit erhält, finanzielle Rücklagen aufzubauen, zahlt einen Preis, der weit über die eigentliche Unterhaltsphase hinausgeht. Das Problem wird lediglich in die Zukunft verschoben. Irgendwann endet die Unterhaltspflicht, die wirtschaftlichen Folgen bleiben jedoch bestehen.

Aus fehlenden Rücklagen werden fehlende Rentenansprüche. Aus wirtschaftlicher Anspannung wird Altersarmut.

Warum der Staat am Ende doppelt zahlt

Diese Entwicklung betrifft längst nicht nur einzelne Betroffene. Sie ist auch ein gesellschaftliches und sozialpolitisches Problem.

Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet, Steuern gezahlt und gleichzeitig ihre gesetzliche Unterhaltspflicht erfüllt haben, geraten im Alter nicht selten in finanzielle Schwierigkeiten. Die gesetzliche Rente allein reicht häufig nicht aus, um den Lebensunterhalt dauerhaft zu sichern. Zusätzliche Vorsorge existiert oft nicht, weil sie während der aktiven Erwerbsphase schlicht nicht möglich war.

Bernd aus Sandersdorf formuliert es treffend:

„Somit zahlt der Staat am Ende doppelt.“

Tatsächlich steckt darin ein bemerkenswerter Widerspruch. Während der aktiven Erwerbsjahre wird die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Betroffenen maximal ausgeschöpft. Gleichzeitig entlasten ihre Unterhaltszahlungen den Staatshaushalt. Im Alter muss dieselbe Gesellschaft jedoch häufig die Folgen dieser fehlenden Vorsorgemöglichkeiten auffangen.

Ein System, das Menschen zunächst wirtschaftlich auszehrt und später ihre Altersarmut finanzieren muss, kann kaum als nachhaltig bezeichnet werden. Es löst kein Problem, sondern verschiebt es lediglich um einige Jahrzehnte in die Zukunft.

Was FairBessern fordert

Wir fordern deshalb einen Selbstbehalt, der nicht nur das Überleben bis zum Monatsende sichert, sondern auch die wirtschaftliche Zukunft berücksichtigt.

Ein zeitgemäßer Existenzschutz muss die realen Lebenshaltungskosten abbilden und gleichzeitig ermöglichen, in angemessenem Umfang für das Alter vorzusorgen. Dabei geht es nicht um Luxus oder Vermögensaufbau. Es geht um die grundlegende Möglichkeit, nach Jahrzehnten der Arbeit und Verantwortung nicht in die Altersarmut abzurutschen.

Ein gerechtes Unterhaltsrecht schützt Kinder. Es schützt aber auch die wirtschaftliche Existenz der Eltern, die diese Kinder unterstützen.

In unserem offiziellen Petitionsentwurf fordern wir deshalb:

  • Eine realitätsnahe Anpassung des Selbstbehalts, die die tatsächlichen Lebenshaltungskosten berücksichtigt und nicht auf veralteten Annahmen basiert.
  • Die Anerkennung von Altersvorsorge als Bestandteil des Existenzminimums, damit unterhaltspflichtige Eltern nicht gezwungen werden, ihre eigene Zukunft dauerhaft zu opfern.
  • Einen nachhaltigen Existenzschutz, der nicht nur das aktuelle Überleben sichert, sondern auch verhindert, dass aus heutiger Belastung die Altersarmut von morgen entsteht.

Ein Sozialstaat darf Menschen nicht dazu zwingen, zwischen der Unterstützung ihrer Kinder und ihrer eigenen Zukunft wählen zu müssen. Beides muss möglich sein.

Unterstütze uns dabei, diese oft übersehene Fehlentwicklung sichtbar zu machen. Jede Unterschrift erhöht den Druck auf die Politik, endlich eine gerechtere und nachhaltigere Lösung zu schaffen.

Verantwortung darf nicht in Altersarmut enden.

Wer Kinder unterstützt, Steuern zahlt und seiner gesetzlichen Pflicht nachkommt, darf im Alter nicht in die Armut gedrängt werden. Hilf uns, das Unterhaltsrecht fairer und nachhaltiger zu gestalten. Zeichne jetzt unsere Petition.

Jetzt bei openPetition unterzeichnen →

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