News  ·  19. Juni 2026  ·  Unterhalt

Unterhaltsberechnung nach Einkommen — warum das Gehalt der Mutter oft keine Rolle spielt

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Wenn ein Elternteil deutlich mehr verdient und trotzdem der andere die Hauptlast trägt

Viele Diskussionen über das Unterhaltsrecht drehen sich um Tabellen, Prozentsätze und gesetzliche Vorgaben. Doch manchmal genügt ein einziger Kommentar, um die eigentliche Problematik sichtbar zu machen.

Ricky aus Niedertrebra schreibt unter unserer Petition:
„Ich muss 600 € Unterhalt zahlen und lebe am Existenzminimum. Meine Ex ist Beamtin — verdient ein Haufen Geld. Ich weiß nicht wie ich das alles noch zahlen soll.“

Hinter diesem Kommentar steckt eine Frage, die viele Betroffene beschäftigt: Warum spielt das Einkommen des betreuenden Elternteils bei der Unterhaltsberechnung häufig kaum eine Rolle, selbst wenn es deutlich höher ist als das des Unterhaltspflichtigen?

Für viele Menschen wirkt das auf den ersten Blick widersprüchlich. Schließlich tragen beide Elternteile Verantwortung für ihr Kind. Trotzdem orientiert sich die Berechnung des Kindesunterhalts in der Praxis überwiegend am Einkommen desjenigen Elternteils, bei dem das Kind nicht hauptsächlich lebt.

Ein System, das nur eine Richtung kennt

Die Grundidee des deutschen Unterhaltsrechts stammt aus einer Zeit, in der die Rollen innerhalb von Familien deutlich anders verteilt waren als heute.

Das klassische Modell ging davon aus, dass ein Elternteil die Betreuung übernimmt, während der andere überwiegend für die finanzielle Versorgung zuständig ist. Auf dieser Grundlage entwickelte sich ein System, das bis heute maßgeblich die Unterhaltsberechnung bestimmt.

Die Folge: Entscheidend für die Höhe des Kindesunterhalts ist in erster Linie das bereinigte Nettoeinkommen des barunterhaltspflichtigen Elternteils.

Das Einkommen des betreuenden Elternteils fließt dagegen häufig nur indirekt oder gar nicht in die konkrete Berechnung ein.

Genau hier entsteht für viele Betroffene ein Gerechtigkeitsproblem.

Wenn die Einkommensverhältnisse auf dem Kopf stehen

Immer häufiger erleben wir heute Familienkonstellationen, die mit den ursprünglichen Annahmen des Systems wenig gemeinsam haben.

Es gibt Mütter mit akademischen Berufen, Führungspositionen oder Beamtenstatus. Es gibt Väter, die in handwerklichen Berufen arbeiten, gesundheitlich eingeschränkt sind oder deutlich geringere Einkommen erzielen.

Trotzdem kann es passieren, dass der Vater weiterhin den vollen Kindesunterhalt zahlen muss, obwohl die Mutter wirtschaftlich deutlich besser gestellt ist.

Für viele Betroffene entsteht dadurch das Gefühl, dass nicht die tatsächliche Leistungsfähigkeit beider Elternteile betrachtet wird, sondern lediglich die finanzielle Situation einer Seite.

Dabei geht es nicht darum, jemandem etwas wegzunehmen. Es geht um die Frage, ob die wirtschaftliche Verantwortung für ein gemeinsames Kind wirklich fair verteilt wird.

Unterhalt
Verantwortung sollte sich an den Möglichkeiten orientieren

In nahezu jedem anderen Bereich des Lebens gilt ein einfacher Grundsatz: Wer mehr finanzielle Möglichkeiten hat, kann auch mehr Verantwortung tragen.

Im Unterhaltsrecht wird dieser Gedanke jedoch häufig nur eingeschränkt berücksichtigt.

Ein Vater mit durchschnittlichem Einkommen kann dadurch an seine finanziellen Grenzen geraten, obwohl der andere Elternteil über ein deutlich höheres Einkommen verfügt. Für die Betroffenen entsteht nicht selten der Eindruck, dass wirtschaftliche Realität und rechtliche Bewertung weit auseinanderliegen.

Besonders deutlich wird das, wenn Unterhaltspflichtige trotz Vollzeitbeschäftigung dauerhaft am Existenzminimum leben müssen.

Während die monatlichen Kosten für Wohnen, Energie, Mobilität und Lebensmittel steigen, bleibt oft kaum noch finanzieller Spielraum übrig. Die Belastung wird dann nicht als gemeinschaftliche Verantwortung beider Eltern wahrgenommen, sondern als einseitige Verpflichtung.

Was das für Familien bedeutet

Die Folgen solcher Regelungen beschränken sich nicht auf den Kontostand.

Finanzieller Druck belastet Beziehungen zwischen Eltern. Er erschwert Kooperation und führt häufig zu Konflikten, die letztlich auch die Kinder spüren.

Wer dauerhaft das Gefühl hat, wirtschaftlich überfordert zu werden, entwickelt Frust. Wer sich ungerecht behandelt fühlt, verliert Vertrauen in die Fairness des Systems.

Ein modernes Familienrecht sollte deshalb nicht nur die Versorgung des Kindes sichern, sondern auch darauf achten, dass beide Elternteile langfristig handlungsfähig bleiben.

Denn Kinder profitieren von stabilen Eltern. Nicht von Eltern, die wirtschaftlich gegeneinander ausgespielt werden.

Was FairBessern fordert

Wir fordern eine umfassende Überprüfung der bestehenden Unterhaltsberechnung.

Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit beider Elternteile muss stärker berücksichtigt werden. Wer gemeinsam Verantwortung für ein Kind trägt, sollte auch gemeinsam und nachvollziehbar in die finanzielle Betrachtung einbezogen werden.

Dabei geht es nicht um eine Benachteiligung von Müttern oder Vätern. Es geht um faire Regeln, die den tatsächlichen Lebensrealitäten moderner Familien entsprechen.

Ein gerechtes System betrachtet beide Seiten.

Denn Verantwortung für ein Kind endet nicht bei einem Elternteil – und Gerechtigkeit sollte es ebenfalls nicht.

Gerechtigkeit bedeutet, beide Seiten zu betrachten.

Unterstütze unsere Petition für ein modernes Unterhaltsrecht, das die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit beider Elternteile fair berücksichtigt und Verantwortung ausgewogen verteilt.

Jetzt bei openPetition unterzeichnen →

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